Der Mühlviertler Rallyepilot Martin Roßgatterer und sein Beifahrer Andreas Thauerböck gewannen bei der Mühlstein-Rallye nicht nur die Rally3-Klasse, sondern wurden auch Gesamt-Dritte.
Schwertberg-Perg, 9. August 2026 – Martin Roßgatterer saß zuletzt bei der Jännerrallye 2026 am Steuer eines Rallyeautos. Mehr als ein halbes Jahr später war es für den Wartberger nun wieder so weit: Für die „SG Toolbox Mühlstein-Rallye powered by Baumentor“ spannte er sich erneut mit Copilot Andreas Thauerböck und dem Team Gassner Motorsport zusammen, um mit einem Renault Clio Rally3 an den Start zu gehen. „Ich hatte die Idee schon nach der Jännerrallye beim Team deponiert. Weil langjährige Partner an einem Strang gezogen haben, konnte ich auch die zweite Rallye im Mühlviertel in diesem Jahr bestreiten.“
Doch die Rallye hatte es in sich, ungewöhnlich viele Ausfälle waren das Ergebnis herausfordernder Strecken. „Es gab viele gemeine, unübersichtliche schnelle Kurven. Auch viele Maisfelder, wo man nicht gut sieht“, erzählt Martin Roßgatterer. Das Duo Roßgatterer/Thauerböck startete mit einer Klassen-Bestzeit in den Rallyetag. „Zwar nur ganz knapp, aber ich habe mich sehr gefreut, endlich ein Duell mit Roland Stengg zu haben. Wir schätzen uns menschlich und sportlich sehr und ich weiß, wie gut er ist.“ Auf der zweiten SP waren dann sowohl Stengg in einem identischen Renault Clio Rally3 als auch der Deutsche Florian Auer in einem Ford Fiesta Rally3 schneller als Roßgatterer: „Da musste ich erst einmal schlucken … ich war tatsächlich überrascht, wie schnell man fahren muss.“ Man bedenke, Roßgatterers letzter Einsatz bei einer Asphaltrallye lag bereits zwei Jahre zurück und war nur von kurzer Dauer.
Nun war die Crew vor allem mental gefordert zu reagieren: „Mein Beifahrer hat mir klar gesagt, dass ich zu verhalten gefahren bin. Am Weg Richtung Service hatte ich Zeit, darüber nachzudenken. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Ich fahre mit dem Auto weiter spazieren oder ich steigere mich jetzt.“
„Rossi“ legte zu und fuhr auf der zweiten Vormittagsrunde zwei Bestzeiten. „Als wir dann gesehen haben, es ist möglich zu gewinnen, wollten wir es unbedingt.“ Roßgatterer/Thauerböck arbeiteten sich von Prüfung zu Prüfung und waren nach Problemen der Konkurrenz schließlich auch im Kampf um das Gesamtpodium. „Es war gar nicht so einfach, den Fokus zu behalten, als es plötzlich um einen Spitzenplatz ging.“ Doch Roßgatterer behielt kühlen Kopf und beendete die Rallye ohne einen Kratzer als Gesamt-Dritter, bester nicht-Rally2-Pilot und klarer Rally3-Sieger. „Wir haben’s geschafft, die Balance zwischen Wahnsinn und schnellem Autofahren zu halten. Das war richtig harte Arbeit, während der gesamten Rallye immer wieder die eigene Leistung zu reflektieren und für die nächste SP die richtigen Schlüsse zu ziehen. Am Ende bin ich einfach nur dankbar, diesen grandiosen Sport ausüben zu dürfen und die schönen Momente mit meinem Team und meinen Partnern teilen zu können.“
Das Comeback der Mühlstein-Rallye nach einem Jahr Pause wurde auch vom Publikum gut angenommen. Tausende Zuschauer trotzten der Hitze und machten die Sonderprüfungen zu einem Volksfest. Roßgatterer berichtet: „Unfassbar, was da los war. Für uns war klar, dass wir als Lokalmatador einfach dabei sein müssen, wenn der Veranstalter diese Mühen auf sich nimmt.“ Priorität hat für den Fliesenfachmann nun wieder die Arbeit, dennoch reizt den 38-Jährigen ein weiterer Rallyestart im Herbst: „Vielleicht können wir doch noch jemanden motivieren, uns zu unterstützen. Mit den Klassensiegen bei der Jännerrallye, der Mühlstein-Rallye und dem Podiumsplatz gibt’s ja einige Argumente.“
Text: Keke Platzer
Fotos: Daniel Fessl












